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Kein Hitzefrei für Arbeitnehmer - Was können Arbeitnehmer und Betriebsrat bei Hitze tun?

News von: Marc Hessling vom 21.07.2010

Früher in der Schule gab es bei hochsommerlichen Temperaturen Hitzefrei. Im Arbeitsleben gibt es das nicht mehr. Doch die schwül-heißen Außentemperaturen sorgen weiterhin dafür, dass das Arbeiten den meisten zurzeit nicht leicht fällt. Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten sind an der Tagesordnung.

Die Rechtslage

Eigentlich darf es am Arbeitsplatz laut Arbeitsstättenverordnung nicht wärmer als 26 Grad werden. Doch dieser Grenzwert wird oft erheblich überschritten, wenn draußen die Sonne brennt und es im Gebäude keine Klimaanlage gibt. Einfach nach Hause gehen darf man in diesem Fall trotzdem nicht.

In besonders extremen Fällen kann sich jedoch ausnahmsweise ein Zurückbehaltungsrecht des Arbeitnehmers ergeben, das er ausüben kann, wenn der Arbeitgeber die erheblich gesundheitsgefährdende Situation nicht abstellt. Die Ausübung eines solchen Zurückbehaltungsrechts sollte aber im Einzelfall mit einem versierten Rechtsberater (Gewerkschaft, Rechtsanwalt) vorher abgeklärt werden.

Was kann ich als Arbeitnehmer tun?

Ganz wichtig ist es, bei der Hitze viel zu trinken, insbesondere Wasser oder Tee. Eisgekühlte Getränke wirken zwar im ersten Moment erfrischend, sind aber letztlich nicht wirklich gesund.

Soweit es im Unternehmen eine Gleitzeitregelung gibt, sollte man versuchen, so früh wie möglich mit der Arbeit anzufangen, um die kühleren Morgenstunden zu nutzen. Ein entsprechend früherer Feierabend mit Aussicht auf einen Abstecher zum Baggersee fördert mit Sicherheit die Arbeitsmotivation.

Als Alternative kommt die „Siesta“ in Betracht, die in den Mittelmeerländern üblich ist. Dort dauert die Mittagspause oft von 12 bis 16 Uhr, gearbeitet wird dann wieder in den kühleren Abendstunden.

Wer Überstunden angesammelt hat, kann die Gelegenheit nutzen, diese abzubauen, statt sich relativ unproduktiv durch die Hitze zu quälen. Selbst einige „Minusstunden“ auf dem Zeitkonto sind in der Regel erlaubt, und der nächste Regentag kommt bestimmt, um das Defizit wieder auszugleichen.

Es kann natürlich passieren, dass die klimatische Situation am Arbeitsplatz zu erheblichen Herz- / Kreislaufbeschwerden etc. führt, die auch zu einer Arbeitsunfähigkeit führen können.

Was kann der Arbeitgeber tun?


Sollte die betriebliche Gleitzeitregelung nicht flexibel genug sein, z.B. weil die Kernzeit regulär bis 17 Uhr geht, kann der Arbeitgeber natürlich Ausnahmen erlauben. Er kann z.B. an heißen Tagen das Ende der Gleitzeit auf 14 Uhr heruntersetzen, oder generell im Sommer über „Kernzeitverletzungen“ hinwegsehen. Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Arbeit bzw. die Kollegen nicht darunter leiden. Hierzu können in Betriebsvereinbarungen Ausnahmeregelungen geschaffen werden, oder der Arbeitgeber regelt dies zugunsten der Arbeitnehmer durch eine Gesamtzusage.

Selbst wenn sich an den Temperaturen und der Arbeitszeit nichts ändern lässt, macht sich jeder Arbeitgeber beliebt, der bei großer Hitze kostenlos Getränke zur Verfügung stellt oder eine Runde Eis ausgibt. Das fördert auch die Arbeitsmoral und das Betriebsklima und erhöht so mittelbar sogar die Produktivität.

In Produktionsbetrieben, in denen die Arbeitnehmer in der Regel nicht nach eigenem Belieben Pause machen können, sollte der Vorgesetzte Zusatzpausen einplanen, um zu verhindern, dass die Mitarbeiter schlapp machen.

Der Arbeitgeber kann zudem verpflichtet sein, für Sonnenschutzmaßnahmen oder die Anschaffung von Klimaanlagen zu sorgen, wenn andernfalls ein zumutbares Arbeitsklima am Arbeitsplatz tatsächlich nicht hergestellt werden kann.

Was kann der Betriebsrat tun?


Am besten besprechen Sie mit dem Arbeitgeber einen Maßnahmenkatalog, was ab bestimmten Außentemperaturen für das Wohl der Mitarbeiter getan werden kann (siehe z.B. die o.g. Maßnahmen). Tritt der Fall dann ein, kann sofort reagiert werden, ohne vorher lange diskutieren zu müssen.

Hierzu kann auch eine Betriebsvereinbarung geschlossen werden, dich nach § 87 Abs. 1 Nr. 1, 3, 7 BetrVG auch der erzwingbaren Mitbestimmung unterliegt.

Themengebiet: Arbeitsrecht, allgemein

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